Wie wichtig sind Werte?

Das Erkennen seiner individuellen Werte hilft bei der Ausrichtung und Verfolgung persönlicher Ziele. Menschen, die entsprechend nach ihren eigenen Werten handeln, fällt es leichter Entscheidungen zu treffen. Sie sind oftmals erfolgreicher und glücklicher. 

Was sind Werte?

Werte sind Leitprinzipien, die im Alltag Orientierung bieten, was wichtig, recht und passend ist. Sie beeinflussen menschliches Erleben, Urteilen und Handeln. Sie sind erstrebenswert, denn Aussagen wie „Das ist mir wichtig und hat eine grosse Bedeutung für mich“, sind mit Gefühlen verbunden. Diese Aussagen weisen auf Ziele hin und bestimmen das tägliche Verhalten. Werte beschreiben die Qualität der Charaktereigenschaften bzw. Tugenden von Menschen (Werte als Subjekte). Subjektive Werte beruhen auf Tradition, Religion, Kultur, Erziehung und Bildung. Ebenso beschreiben Werte die Nutzenmerkmale von Konsumgut bzw. Dingen (Werte als Objekte). Werte können persönlich oder für Gruppen wirksam sein.

Bei der Wertvorstellung bezüglich immaterieller Dinge kennzeichnen subjektive Werte die Lebensqualität. Beispiele hierfür sind u.a. Empathie, Sympathie, Ehrlichkeit, Treue, Loyalität, Fröhlichkeit und Vertrauen.

Werte können immer gemessen werden. Der Wert ist dabei das Ergebnis einer Messung. Demzufolge ergibt alles einen Wert, was man messen kann, sei es subjektiv oder objektiv.

Werte stehen ständig in einer sozialen Interaktion. Dies bedeutet, dass sie sich gegenseitig beeinflussen. Wertvorstellungen dominieren als Voraussetzung für Normen, Entscheidungen und praktisches Handeln. Sie sind eine wichtige Bedingung zur Erzielung von anderen Werten. Ferner gibt es Werte, die die Triebfeder von anderen Werten sind (Trigger).

Wie entstehen Werte?

Werte werden kulturell, hauptsächlich durch Erziehung durch unsere Eltern oder Lehrer geprägt. Andererseits wurden uns diese aber auch durch unsere Vorfahren als Erbmasse zugetragen. Menschen sind sich meist über ihre Werte gar nicht bewusst. Dadurch fehlt ihnen jede Möglichkeit, diese im Hinblick auf deren Nutzen für sich zu bewerten. Sind uns unsere Werte bekannt, sind wir in der Lage, erst nach einer solchen Bewertung, sich für oder gegen diese Werte zu entscheiden. Eventuell beginnen wir einen ganz bewussten Veränderungsprozess. In diesem Fall ist es möglich, Werte zu verändern, vorausgesetzt, es man hat einen starken Willen zu einer Veränderung. Werte können jederzeit verändert werden.

Wertetheorie nach Shalom Schwartz

Der Psychologieprofessor Shalom Schwartz war bis zu seinem Ruhestand an der Hebräischen Universität in Jerusalem tätig. Prof. Schwartz hat in den 80er Jahren eine Theorie grundlegender individueller Werte entwickelt. Zu Beginn waren es zehn Werte, die Mensch haben können. Sie gelten überall auf der Welt. Darunter zählen Selbstbestimmung, Macht, Sicherheit oder Wohlwollen.

Viele Forscher fanden zunächst heraus, dass zehn Werte teilweise überlappten und zu ungenau waren. Schwartz hat seine Therorie daraufhin nochmals überarbeitet. Zusammen mit Psychologen und Sozialwissenschaftler ist die ursprüngliche Liste an Werten auf 19 massgebliche Werte gestiegen. Hierzu wurde ein Fragebogen entwickelt.

Bei der neuen Studie haben Schwartz und seine Kollegen das Zehn-Werte-Schema als Grundlage genommen und sich damit auseinandergesetzt, in wie fern es von vergangenen Studien abweicht. Nach diesen Abweichungen haben sie den sogenannten Wertekatalog um neun neue Werte erweitert und diese mit mit dem Fragebogen überprüft. Augenmerk hatten die Forscher darauf, ob alle 19 Werte tadellos bestimmt werden konnten, ob sie sich in einem Kreis anordnen lassen. Dieser Kreis besagt, dass alle Werte auf einem einheitlichen Wertekontinuum liegen und vergleichbare Werte sich parallel gleichlaufen. Zusätzlich wurde überprüft, ob sich die 19 Werte auf wenige Wertedimensionen hin zusammenfassen liesen.

19 bestimmende Werte

Es hat sich etwas gegenüber dem Zehn-Werte-Schema verändert.

Sechs Werte wurden hierbei in mehrere gesplittet:
Selbstbestimmung, Macht, Sicherheit, Angepasstheit, Wohlwollen und das „Ganze im Blick“.

Vier Werte blieben im Einzelnen bestehen:
Anregung, Genussstreben, Leistung und Tradition

Hinzu kamen zwei neue Werte:
Ansehen und Bescheidenheit

Liegt hierbei ein Wert über oder unter einem anderen, ist er ähnlich. Den letzten Wert mit der Nummer 19 denkt man sich an den Wert Nummer 1. So ergibt die Liste einen Kreis.

  • Selbstbestimmung (self-direction)
    Selbstbestimmtes Denken (1): der Wille, eigene Gedanken und Fähigkeiten zu fördern.
    Selbstbestimmtes Handeln (2):  der Wille, das eigene Handeln zu bestimmen.
  • Anregung (3) (stimulation): Anregung, neue Dinge und Herausforderungen suchen.
  • Genussstreben (4) (hedonism): auf Vergnügen und Sinnesfreuden erpicht sein.
  • Erfolgsstreben (5) (achievement): Erfolge bezüglich gängigen Standards anstreben.
  • Macht (power)
    Vormachtstellung (6) (dominance):
    das Streben nach Macht, um andere damit zu steuern.
    Ressourcenkontrolle (7) (resources): das Streben nach Macht, um damit über Sach- und Finanzmittel zu verfügen.
  • Ansehen (8) (face): der Wille, das eigene Image zu pflegen und zu vermeiden, dass man bloßgestellt wird.
  • Sicherheit (security)
    persönliche Sicherheit (9):
    Sicherheit in seinem unmittelbaren Umkreis suchen.
    gesellschaftliche Sicherheit (10): das Schätzen von Sicherheit und Beständigkeit in der Gesellschaft.
  • Tradition (11): kulturelle, familiäre und religiöse Traditionen pflegen.
  • Angepasstheit (conformity)
    Angepasstheit hinsichtlich Regeln (12): das Befolgen von Regeln, Gesetze und Pflichten.
    Angepasstheit gegenüber anderen (13): vermeiden, dass man andere ärgert oder ihnen schadet.
  • Bescheidenheit (14) (humility): das Erkennen, selbst im Gesamtgefüge bedeutungslos zu sein.
  • Wohlwollen (benevolence)
    Fürsorge (15
    (caring): Um das Wohlergehen von Angehörigen einer Gruppe oder andere nahestehenden (z.B. der Familie) bemüht sein.
    Verlässlichkeit (16) (dependability): der Wille, ein verlässliches und vertrauenswürdiges Mitglied einer bestimmten Gruppe (z.B. des Freundeskreises) zu sein.
  • Das Ganze im Blick (universalism)
    gesellschaftliche Belange (17) (concern):
    sich für die Gleichheit, die Gerechtigkeit und den Schutz aller Menschen einsetzen.
    die Natur schützen (18): die natürliche Umwelt bewahren wollen.
  • Andersartigkeit anerkennen (19) (tolerance): der Wille, andere zu verstehen und anzuerkennen, die anders sind als man selbst.

Die 6 Hauptcharakteristiken von Werten  (nach S. Schwartz)

Prof. Shalom Schwartz leistet eine Synthese der Schriften von Kluckhohn (1962), Kohn (1969), Rokeach (1973), Hofstede (1980) und Inglehart (1998) und kristallisiert sechs Hauptcharakteristiken von Werten unter folgenden Aspekten heraus:

  1. Werte sind Überzeugungen, die untrennbar mit Regungen zusammengehörig sind. Sind Werte aktiviert, werden sie mit Gefühlen begleitet.
  2. Werte beziehen sich auf wünschenswerte Ziele. Motivation zu Handlungen.
  3. Werte übergehen spezifische Handlungen und Situationen. Hiermit unterscheiden sich Werte von engeren Konzepten wie Normen und Grundhaltungen, die sich in der Regel auf spezifische Handlungen, Objekte und Umstände beziehen.
  4. Werte fungieren als Standards oder Kriterien. Werte leiten den Entwicklungsverlauf oder Auswahl von Handlungen und Ereignissen. Menschen entscheiden individuell, was gut oder schlecht ist, indem sie die Wirkung zur Erreichung ihrer wichtigen Werte betrachten.
  5. Werte sind relativ nah nach ihrer Wichtigkeit zueinander geordnet. Das in eine Reihenfolge gebrachte Zusammenstellung von Werten formt ein Schema von Wertprioritäten. Man kann einzelne Personen und Gesellschaften anhand ihres Schemas von Wertprioritäten charakterisieren. Diese strukturierte Eigenschaft unterscheidet Werte ebenfalls von Normen und Einstellungen.
  6. Handlungen werden von einer relativen Wichtigkeit verschiedener Werte geleitet. Werte sind insoweit an Handlungen beteiligt, wie sie relevant im jeweiligen Kontext und wichtig für die handelnde Person sind.

Beispiele für Werte in den verschiedenen Lebensbereichen

Lebensbereich ICH 

Was ist wichtig im Lebensbereich ICH?Werte
Zeit für sich habenpersönliches Wachstum, Ruhe, Entwicklung, Sinn
Erfahrungen anderen mitteilenEhrlichkeit, Treue, Geborgenheit, Pflichtgefühl, Zuverlässigkeit
VerreisenAbenteuer, Abwechslung, Unternehmungslust, Erkunden

 

Lebensbereich Soziale Kontakte

Was ist wichtig im Lebensbereich Soziale Kontakte?Werte
Mit anderen Menschen lachenFreude, Heiterkeit
Anderen Menschen vertrauenEhrlichkeit, Treue, Geborgenheit, Pflichtgefühl, Verantwortung , Zuverlässigkeit
Von anderen Menschen bewundert werdenAnerkennung, Interesse

 

Lebensbereich Gesundheit

Was ist wichtig im Lebensbereich Gesundheit?Werte
BewegungFreiheit, Mobilität
Gesundes Aussehen, AttraktivitätAnziehungskraft, Attraktivität, Sportlichkeit
ein langes und gesundes Leben führen könnenGesundheit, Zukunftsorientierung

 

Lebensbereich Job & Karriere

Was ist wichtig im Lebensbereich Job&Karriere?Werte
Viel Geld verdienen, ErfolgAnerkennung, Geld, Unabhängigkeit
Etwas bewegen könnenAktivität, Kreativität, Sinn
Zeit für persönliche WeiterentwicklungEntwicklung, Wachstum

 

Lebensbereich Finanzen

Was ist wichtig im Lebensbereich Job&Karriere?Werte
Vermögen aufbauen, um nicht mehr zu arbeitenUnabhängigkeit, Freiheit, Wohlstand
schuldenfrei sein / schuldenfrei bleibenUnabhängigkeit, Freiheit, Ruhe
Sparen in sicheren AnlageformenSicherheit

 

Fazit:
Menschen setzen sich eigene Werteprioritäten, an denen sie ihr Leben orientieren. Dem Wunsch nach Unabhängigkeit bzw. das eigene Leben selbst bestimmen zu können, sind keine Grenzen gesetzt.